1994 Erinnerungen von P. Ocke Sanders

Im Rahmen der Mitarbeiterfeier der Kirchengemeinde Engerhafe im Januar 2015 hat Pastor Ocke Sanders über seine Erinnerungen an die Gedenkfeiern zum KZ Engerhafe gesprochen und dabei den Brief eines ehemaligen KZ-Häftlings vorgelesen.

„Die Feier aus Anlass des 50. Jahrestag der Errichtung des Lagers, zu der eine Arbeitsgemeinschaft gegründet wurde, in der ich den Vorsitz hatte, hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen.

Unter dem Schatten der Vergangenheit hieß die Gedenkveranstaltungsreihe und dauerte vom 21. Oktober bis zum 22. Dezember, so lange, wie 1944 das KZ bestanden hatte. Das Kernstück waren 188 Grabtücher in der leeren Scheune des Gulfhof Ihnen in Engerhafe, nur einen Steinwurf vom Pfarrhaus und dem ehemaligen KZ-Grundstück entfernt. Für jeden der vor fünfzig Jahren Umgebrachten wurde symbolisch ein Grabtuch hergestellt. Damit wollten die Künstler jedem einzelnen KZ-Opfer seine Würde zurückgeben.

Diesen Gedanken haben auch alle verstanden, als die Ausstellung am 21. Oktober in Anwesenheit versöhnungsbereiter Exhäftlinge würdevoll eröffnet wurde. Doch diesem hoffnungsvollen Auftakt folgte das Desaster mit der Ausstellung im Auricher Rathaus. Kaum jemand erkannte, welchen Bezug zum Leiden der Opfer von Engerhafe das Tucholsky-Zitat ([…] Soldaten sind Mörder) haben sollte. Ich trat von der Spitze der AG zurück und es wurde der vorzeitige Schluss der ganzen Veranstaltungsreihe bekannt gegeben.

Ein sich anschließender überregionaler Medienrummel sorgte für den schalen Nachgeschmack, bis ich den Brief eines der damals anwesenden KZ-Häftlinge empfing, der mich für alle Mühe und Verdruss entschädigte und uns zeigt, wie wichtig die Gedenkarbeit ist.“


Herr Ocke Sanders
Pastor in Kirche Engerhafe

Sehr geehrte Herr Pastor,
Herzliche Glückwünsche, Gesundheit, viel Erfolg und Genugtuung in Ihrem seelsorgerische Tätigkeit wünsch Ihnen und Ihre Familie für kommende Advent und Weihnachtsfest.

Ich möchte Ihnen ganz herzlich Danken für die organizatorische Mühe und Engagement bei den Feierlichkeiten. Es hat mich sehr geehrt, dass mann über unsere Kommando Aurich Bescheid weisst in der Gemeinde Südbrookmerland. Vielen Dank Euch für eindrucksvollen Reden und für herzlichen Empfang bei Ihnen Zuhause. Auch die vielen angenehmen Begegnungen mit der Bevölkerung und zuständigen Behörden haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Die zahlreiche Beteiligung bei allen Anlässen hat es mir die grossen Interesse der Leute bestätigt. Es freut mich, dass es so ist. Die Gute ist stärker als Böse. An die Leiden denkt man lange, aber an Gutes noch länger. Die Eindrücke, die ich nach meinem Besuch nach Hause mitgenommen habe, verwischen bösen Erinnerungen, die ich vor 50 Jahren erlebt habe. Auch das Bild der Deutschen dank dem besuch hat sich verändert. Ich kann erst jetzt an die grosse Deutsche Nation denken (Goethe, Schiller, Wagner, Beethoven, Bach …) ohne Hintergedanken an die Geschehnisse von damals.

Ich glaube, dass unsere Zusammenkunft wesentlich beigetragen hat zur Verzeihung jener Unrecht und Groll, sowie zur Versöhnung unserer Völker. In diesem Sinne werde ich meine Enkel darüber bilden. Weil das ist einzige Weg für die Zukunft. Ich grüsse Sie freundlich. Mit schuldigem Respekt.

Edward Stejaniak
e
hemalige Häftling KZ Neuengamme
Nr. 60520

Warschau, den 05.12.1994.

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