1947 KZ-Gräberfeld und KZ-Gedenken

1947 teilt der Engerhafer Kirchenvorstand dem Landeskirchenamt mit, dass der Teil des Friedhofs, auf dem die Opfer des KZs ruhen, „in guter Pflege“ sei. Zusätzlich habe der Kirchenvorstand der Gemeinde beschlossen „die Anlage durch Pflanzung von blühenden Sträuchern, Tannen und einer Linde zu verschönern. Die ganze Fläche soll ausserdem mit Grassamen abgesät werden. Als abgrenzende Hecke soll Weissdorn gepflanzt werden.“

Am 10.7.1952 wird der Kirchengemeinde mitgeteilt, dass eine Arbeitsgruppe der Mission Francaise de Recherches et Transferts Göttingen mit Exhumierungen der Opfer beauftragt wurde. Der Kirchenvorstand bittet darum, dass nach den Ausgrabungen der bisherige gute Zustand wieder hergestellt wird. Am 14.7.1952 wurde mit den Exhumierungen begonnen.

Dazu schreibt am 10.8.1952 der Geschäftsführer des Bezirksrates ehemaliger politischer Häftlinge und Verfolgter im Regierungsbezirk Aurich: „Der Friedhof wird wieder mustergültig instand gesetzt werden. Der Gemeinde ENGERHAFE gebührt unvergesslicher Dank in seinem rührigen Pastor Kuhnert. Der Häftlingsfriedhof war in seiner aufgemachten Pflege einer der schönsten in ganz Deutschland.“ An Pastor Kuhnert persönlich schrieb er: „Wir wissen als KZ.-Häftlinge und Überlebende letztvergangener Geschichte, dass wir zu ganz besonderem Dank verpflichtet sind für die christliche Liebe, mit der Sie für die Pflege und Ausschmückung unserer Kameraden-Gedächtnisstätte eingetreten sind. Von berufener Seite […] wurde mir versichert, dass dies der bisher schönste KZ.-Friedhof gewesen sei, den er zu sehen bekommen habe, von ca. 40. Stück.“

Am 21.8.1952 kann der Kirchenvorstand berichten, dass der Friedhof wieder in den alten Zustand versetzt wurde. Die Kosten dafür haben die Mission Francaise und die politische Gemeinde Oldeborg übernommen.

Im Oktober korrespondieren der Geschäftsführer des Bezirksrates und Pastor Kuhnert über eine Gedächtnisfeier am 23.11.1952, dem Ewigkeitssonntag.

Diese Feiern müssen dann jährlich stattgefunden haben, denn am 16.2.1954 schreibt der Kirchenvorstand, bzw. der Pastor dem Landeskirchenamt: „Alljährlich werden vom Bezirksrat pol. Häftlinge und Verfolgter im Regierungsbezirk Aurich e.V. Feiern veranstaltet, an denen die Beteiligung des Ortspastoren und der Kirchengemeinde erfolgte. Der Verlauf einer solchen Feier war etwa der: 10 Uhr Gottesdienst der Kirchengemeinde, an dem sich auch die ehemaligen Verfolgten und pol. Häftlinge beteiligten. Anschließend Ansprachen der Vorsitzenden jenes Verbandes und des Pastoren. Eingerahmt wurde diese Feier von Gemeindegesang aus dem Liedgut der Kirche. Zum Schluss ertönte die Patengedächtnisglocke.“

Im Archiv gibt es die Einladung zu einer „KZ.-Gedächtnisfeier“ am Sonntag, den 17. Oktober 1954 um 10 Uhr, der mit einem geschlossenen „Marsch der KZ.-ler in der Kirche zum Gedenk-Gottesdienst“ beginnt.

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Nach der Predigt von Pastor Kuhnert ist die Rede von einem „Formierten KZ.-Zug aus der Kirche zum KZ.-Friedhof, wo Pastor Kuhnert eine Gedenkrede hielt, „Jesu meine Zuversicht“ gesungen und Kränze niedergelegt wurden.

Pastor Kuhnert war es daran gelegen, „sowohl unsere Gemeinde als aber auch ganz besonders die KZ-ler zu dieser Feier zu versammeln“.

1955 gab es eine weitere Einladung zum Gedenk-Gottesdienst in der Kirche und auf dem Begräbnisfeld, gerichtet an ehemalige KZ-Insassen und an die Gemeindeglieder von Engerhafe.

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Seit vielen Jahren gedenkt der DGB am 1. September jeden Jahres an die Opfer des KZs, am Volkstrauertag erinnern die Kirchengemeinde und Vertreter der politischen Gemeinde an die Opfer des Krieges. Seit 2010 engagiert sich auch der 2009 gegründete Verein „Gedenkstätte KZ Engerhafe“, mit dem die Kirchengemeinde zusätzlich an einem Samstag im späten Oktober an die Errichtung des Lagers am 21.10.1944 erinnert.