Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Röm 15,7

Mit der Jahreslosung für das Jahr 2015 grüße ich Sie herzlich und wünsche Ihnen Gottes Segen für das neue Jahr. Sie sind hoffentlich gut „hineingerutscht“.
Der Apostel Paulus ruft uns zu, einander anzunehmen. Damit sind natürlich nicht die Menschen gemeint, die wir ohnehin mögen, nicht die Freunde und die Familie, nein, sondern alle Menschen, auch die, die wir nicht so gut leiden können. Auch der, der sich neulich an der Supermarktkasse dreist vorgedrängelt hat, auch der, der mich unlängst so blöd angemacht hat, auch der, der immer anderer Meinung ist als ich und an mir herum meckert, auch die soll ich annehmen. Gar nicht so leicht, mir jedenfalls fällt das schwer. Ich ärgere mich über andere Menschen, fühle mich ungerecht behandelt oder nicht richtig verstanden.
Neulich stolperte ich über ein Gedicht von Lothar Zenetti, einem katholischen Theologen und Schriftsteller. Unter dem Titel „Reibung“ hat er folgendes Gedicht verfasst:

Aber ja, auch ich
reibe mich
an so manchem
in der Kirche,
woran, das will ich hier
nicht weiter vertiefen.
Doch andererseits
lehrt bereits die Physik,
dass Reibung gewöhnlich
Wärme erzeugt.
Man könnte an
Nestwärme denken,
etwas wie Zugehörigkeit
sozusagen.
Denn woran man
sich reibt, – nun,
das lässt einen nicht
kalt.

Ja, womöglich hat der Lothar Zenetti Recht. Vielleicht braucht es ab und an auch eben diese Reibung zwischen Menschen, damit Wärme entstehen kann. Ich bin mir sicher, dass der Apostel Paulus, der uns die Jahreslosung geschenkt hat, genau wusste, dass Menschen sich eben aneinander reiben. Und genau deshalb fordert er uns auf, einander anzunehmen.
Ich denke, wir müssen seinen Vers von der Mitte her lesen. Die goldene Mitte ist der Schlüssel zum Verständnis: wie Christus euch angenommen hat. Hier nämlich lesen wir von der Grundlage unseres Glaubens. Christus hat uns angenommen. Für uns ist er als Kind im Stall von Bethlehem auf diese Welt gekommen, für uns hat er gelebt, gewirkt und gepredigt und für uns ist er am Kreuz gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden.
Weil ich mich von Christus angenommen und geliebt weiß, darum will ich anderen mit Respekt begegnen.
Wenn Sie das nächste Mal jemand ärgert, dann rufen Sie sich einfach in Erinnerung: auch für diesen Menschen ist Christus am Kreuz gestorben, auch ihn hat er angenommen. Glauben Sie mir, das hilft. Probieren Sie es aus!
Ihre Anika Langer